Das SCIP-Glossar

Von CLP über REACH bis SVHC: Die wichtigsten Begriffe zur SCIP-Meldung.

CLP

Die CLP-Verordnung (Classification Labelling and Packaging of substances and mixtures) über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen passt die EU-Rechtsvorschriften an das Global Harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) an. Rechtlich bindend in allen EU-Mitgliedsstaaten, verpflichtet sie Hersteller, Importeure und nachgeschaltete Anwender von Stoffen oder Gemischen zur ordnungsgemäßen Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung ihrer gefährlichen Chemikalien vor dem Inverkehrbringen. Die CLP-Verordnung stellt fest, ob ein Stoff oder Gemisch Eigenschaften aufweist, die zur Einstufung als gefährlich führen. Die CLP-Verordnung gibt ausführliche Kriterien für die Kennzeichnungselemente vor: Piktogramme, Signalwörter und Standardtexte in Bezug auf Gefahr, Prävention, Gegenmaßnahmen, Lagerung und Entsorgung für jede Gefahrenklasse und -kategorie.

CMR

CMR-Stoffe (Carcinogen, Mutagen, Toxic to Reproduction) sind laut REACH-Verordnung Stoffe, die potenziell krebserregend wirken, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung beeinträchtigen können.

ECHA

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA (European Chemical Agency) sorgt für ein einheitliches Verfahren bei Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe innerhalb der EU. Die Behörde mit Sitz in Helsinki wurde 2006 im Gefolge der REACH-Verordnung gegründet.

Erzeugnis

Ein Erzeugnis ist laut REACH-Verordnung ein Gegenstand, der bei der Herstellung eine spezifische Form, Oberfläche oder Gestalt erhält, die in größerem Maße als die chemische Zusammensetzung seine Funktion bestimmt.  Die chemische Zusammensetzung ist durchaus ein Kriterium für ein Erzeugnis, aber eben nicht das bestimmende. Beispiele für Erzeugnisse sind etwa Bekleidung, Fußböden, Möbel, Schmuck, Zeitungen und Kunststoffverpackungen. Die Abgrenzung zu Stoffen oder Gemischen ist nicht immer eindeutig.

Erzeugnis mit beabsichtigter Freisetzung

Darunter versteht die REACH-Verordnung die Freisetzung eines chemischen Stoffes, die nicht die Hauptfunktion des Erzeugnisses darstellt. Ein Beispiel wäre ein Kinderspielzeug, das einen Duftstoff freisetzt.

Exposition

Im Zusammenhang mit der REACH-Verordnung bedeutet Exposition der zu erwartende Kontakt eines Menschen oder auch der Umwelt mit einem Stoff, inklusive der zu erwartenden Intensität, Häufigkeit und Dauer des Kontakts.

Expositionsszenarium

Expositionsszenarien sind ein zentrales Element der REACH-Verordnung und Kernstück der Durchführung einer Stoffsicherheitsbeurteilung. Sie zu erstellen, obliegt immer dem Hersteller oder Importeur von Stoffen. Die Szenarien enthalten die Beschreibung der

  • eingesetzten Verfahren, mittels derer der Stoff hergestellt, verarbeitet und verwendet wird;
  • Tätigkeiten der Arbeitnehmer im Zusammenhang mit den Verfahren sowie die Dauer und Häufigkeit ihrer Exposition gegenüber dem Stoff;
  • Tätigkeiten der Verbraucher sowie der Dauer und Häufigkeit ihrer Exposition gegenüber dem Stoff;
  • Dauer und der Häufigkeit der Emission des Stoffes in die verschiedenen Umweltkompartimente und in Kläranlagen sowie der Verdünnung im aufnehmenden Umweltkompartiment.
  • Risikomanagementmaßnahmen zur Verringerung oder Vermeidung einer direkten oder indirekten Exposition von Menschen (insbesondere von Arbeitnehmern und Verbrauchern) und der verschiedenen Umweltkompartimente gegenüber dem Stoff;
  • Maßnahmen zur Abfallbehandlung zur Verringerung oder Vermeidung der Exposition von Menschen und Umwelt gegenüber dem Stoff während der Abfallentsorgung und/oder -verwertung.

Gefahrenklassen

Abgeleitet aus der CLP-Verordnung, werden potenziell gefährliche Stoffe in verschiedene Gefahrenklassen eingeteilt: Physikalisch-chemische Gefahren, Gesundheitsgefahren, Umweltgefahren und Weitere Gefahren – jeweils mit spezifizierten Unterkategorien und dem Ausmaß der Gefährlichkeit als „Gefahrenkategorie“. Die Liste der Gefahrenklassen wird analog zu Aktualisierungen von CLP und GHS laufend überarbeitet.

Gemisch

Als Gemische werden Gemenge oder Lösungen bezeichnet, die aus zwei oder aus mehreren chemischen Reinstoffen bestehen.

GHS

Das GHS (Globally Harmonized System of Classification, Labelling and Packaging of Chemicals) ist ein weltweit vereinheitlichtes System der Vereinten Nationen zur Einstufung von Chemikalien und zu deren Kennzeichnung auf Verpackungen und in Sicherheitsdatenblättern. Die CLP-Verordnung der EU ist eine adaptierte Umsetzung dieses Systems.

Händler

Als Händler gelten im Sinne der REACH-Verordnung natürliche oder juristische Personen, die einen Sitz in der EU haben und einen Stoff oder ein Stoffgemisch lagern und in Verkehr bringen. Einzelhändler und Großhändler sind damit gleichermaßen gemeint.

Hersteller

Als Hersteller gelten im Sinne der REACH-Verordnung natürliche oder juristische Personen, die einen Sitz in der EU haben und in der EU einen Stoff herstellen.

Importeur

Als Importeure gelten im Sinne der REACH-Verordnung natürliche oder juristische Personen, die einen Sitz in der EU haben und für die Einfuhr eines Stoffes verantwortlich sind.

Inverkehrbringen

Unter „Inverkehrbringen“ werden sehr unterschiedliche Tätigkeiten subsumiert. Im Sinne der REACH-Verordnung handelt es sich um die entgeltliche oder unentgeltliche Abgabe an Dritte oder die Bereitstellung für Dritte. Die Definition beinhaltet das Importieren, Verkaufen, Verschenken oder Bereitstellen. Auch die Einfuhr gilt bereits als Inverkehrbringen.

Komplexer Gegenstand

Die REACH-Verordnung definiert komplexe Gegenstände als Gegenstände, die aus mehreren Erzeugnissen oder komplexen Produkten zusammengesetzt sind.   Als Beispiele können etwa Möbel, Fahrzeuge oder Kleidungsstücke gelten.

Komplexes Produkt

Als komplexes Produkt wird ein Produkt bezeichnet, das aus mehreren einzelnen Erzeugnissen zusammengesetzt ist.

PBT/vPvB

Die REACH-Verordnung definiert PBT-Stoffe als Stoffe, die persistent (schwer abbaubar), bioakkumulierbar (in Organismen anreicherbar) und toxisch sind. vPvB steht für sehr persistent und sehr bioakkumulierbar. Die Definition gilt nur, wenn alle zwei oder drei Kriterien erfüllt sind.

REACH

REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) ist eine Verordnung der EU, die am 1. Juni 2007 in Kraft getreten ist. Die REACH-Verordnung führt dazu, dass in der Europäischen Union nur noch zuvor registrierte chemische Stoffe in Verkehr gebracht werden dürfen. Die Verordnung gilt sowohl für Hersteller als auch für Importeure, die Stoffe mit mehr als einer Tonne pro Jahr in der EU erzeugen oder in die EU importieren. In den Geltungsbereich fallen Stoffe, Bestandteile eines Gemischs und freizusetzende Inhaltsstoffe eines Erzeugnisses. Grundsätzlich sind die Daten, die im Rahmen des Registrierungsverfahrens an die ECHA zu übermitteln sind, auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Zentrales Ziel der REACH-Verordnung ist, Menschen und Umwelt vor den potenziellen Risiken durch Chemikalien besser zu schützen. Vor allem sollen besonders besorgniserregende Stoffe sukzessive durch weniger bedenkliche Alternativen ersetzt werden. 

Die REACH-Verordnung folgt dem Prinzip „No Data, No Market“: Innerhalb von EU und EWR dürfen Stoffe, die unter die REACH-Verordnung fallen, ausnahmslos dann in Verkehr gebracht werden, wenn sie bei der EU-Chemikalienbehörde ECHA registriert wurden.

Registrierung

Hersteller oder Importeure, die pro Jahr mehr als eine Tonne eines Stoffs im Geltungsbereich von REACH produzieren oder als erste in die EU importieren, müssen eine Registrierung vornehmen. Diese Registrierung beinhaltet ausführliche Informationen zu den grundlegenden Eigenschaften, ihrer Einstufung und Kennzeichnung sowie der Verwendung und Leitlinien zum sicheren Umgang. Nicht registrierte Stoffe dürfen weder hergestellt noch importiert werden.

SCIP

SCIP (Substances of Concern In articles as such or in complex objects (Products)) ist eine Datenbank der Europäischen Chemikalienagentur ECHA. Hier werden Informationen über besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) gesammelt, die in Erzeugnissen oder komplexen Gegenständen in einer Konzentration von mehr als 0,1 Gewichtsprozent enthalten sind. Seit Januar 2021 müssen alle Unternehmen, die entsprechende Erzeugnisse auf den EU-Markt liefern, die entsprechenden Informationen zur Verfügung stellen. Die SCIP-Datenbank soll dazu beitragen, das Vorhandensein gefährlicher und besonders besorgniserregender Stoffe über den gesamten Produktlebenszyklus transparent zu machen.

SVHC

Als besonders besorgniserregende Stoffe (Substances of Very High Concern, SVHC) gelten laut der REACH-Verordnung chemische Stoffe, die zu schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen oder auf die Umwelt führen können. Identifiziert die Europäische Chemikalienagentur ECHA einen Stoff als SVHC, kann dies entweder zu gewissen Beschränkungen oder aber zu einer Zulassungspflicht im Rahmen der REACH-Verordnung führen. Ist ein Stoff als SVHC identifiziert, unterliegt er innerhalb der Lieferkette strengen Informationspflichten.

Stoff

Als Stoffe gelten chemische Elemente oder deren Verbindungen, die in natürlicher Form oder gewonnen durch ein Herstellungsverfahren, einschließlich der zur Wahrung seiner Stabilität notwendigen Zusatzstoffe und der durch das angewandte Verfahren bedingten Verunreinigungen, aber mit Ausnahme von Lösungsmitteln, die von dem Stoff ohne Beeinträchtigung seiner Stabilität und ohne Änderung seiner Zusammensetzung abgetrennt werden können.

Umweltkompartiment

Als Umweltkompartimente bezeichnet die Ökologie homogene Bereiche der Umwelt, wie etwa Luft, Boden oder Wasser. Der Begriff ist vor allem in Zusammenhang mit der Verteilung eines Stoffes in der Umwelt von Bedeutung.